Author Rank, SEO und die Bedeutung von Google+ 5


Seit Google+ Mitte letzten Jahres gestartet wurde wird dessen Bedeutung und der Wert kontrovers diskutiert. Bereits in meinem ersten Review des Dienstes habe ich mich positiv über das Konzept und die Umsetzung dieses Social Networks geäußert.

Knapp ein dreiviertel Jahr später kann Googles Plattform, die von Anfang an ein rasantes Wachstum hingelegt hat, auf 100 Millionen Mitglieder verweisen. Während noch immer viele Blogger und Journalisten schreiben, dass Google+ im Schatten von Facebook quasi bedeutungslos sei, halte ich die Plattform mehr denn je für bahnbrechend. Einige Gründe möchte ich im Folgenden darlegen.

Google+ als Treffpunkt der Nerds und Geeks

Lange Zeit haben sich die Vordenker des Web 2.0 über Twitter ausgetauscht. Während man sein soziales Netzwerk, auch mit Offline-Bekannten, über Facebook gepflegt hat, sind die wichtigen Nachrichten in Windeseile über Twitter verbreitet worden. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Zwitscher-Elite hat diesem Kanal jedoch mittlerweile den Rücken gekehrt und tauscht sich vornehmlich über Google+ aus. Auch die Netzwerke, die FriendFeed vor dessen Übernahme durch Facebook gerockt haben, finden auf Google+ ein neues Zuhause.

Für Außenstehende mögen die Gespräche und Rituale dieser Community mitunter befremdlich erscheinen, aber für einen sich ständig weiterentwickelnden Dienst wie Google+ sind diese Digital Natives Gold wert. Nicht nur, dass sie die Plattform fortwährend mit Content beliefern, sie testen auch jedes neue Feature auf Herz und Nieren und finden mitunter Use-Cases, welche die Entwickler nie haben kommen sehen.

Einfluss auf die Google Suchergebnisse

Vor einigen Wochen war es noch eine Seltenheit, aber inzwischen sehen eingeloggte Google User immer öfter deartige Einträge in den Suchergebnissen:

Google passt für eingeloggte User das Ranking der Suchergebnisse so an, dass Treffer, die von den eigenen Kontakten positiv bewertet wurden, nach vorne sortiert werden. Wichtiger als der Rankinggewinn ist aber der visuelle Eindruck der so hervorgehobenen Suchtreffer. Ein Ergebnis mit Konterfei, womöglich noch dem eines Bekannten oder Freundes, wird eine erheblich höhere Klickrate aufweisen, als ein Listing ohne Bild.

Der Author-Rank und die Zukunft redaktioneller Inhalte

Als wahnsinnig spannenden Aspekt der wachsenden Google+ Community sehe ich die Tatsache, dass Google hier lernt, wer lesenswerte Inhalte ins Netz stellt. Für Blogger und Journalisten ist der sogenannte Author-Rank die wahrscheinlich wesentlichste Google-Innovation der letzten Jahre.

Verknüpft man die Artikel des eigenen Blogs mit seinem Google+ Profil, so werden diese in der Google Suche bald folgendermaßen präsentiert:

Hier ist die Kennzeichnung in den Suchergebnissen noch auffälliger, als bei Inhalten, die durch +1 empfohlen wurden. Zudem werden derartige Snippets auch Suchenden präsentiert, die nicht bei Google eingeloggt sind. Blogger haben durch die Verknüpfung ihres Blogs mit ihrem Google-Profil also die Möglichkeit, massiven Einfluss auf die Präsentation in den Suchergebnissen zu nehmen. Wie eine solche Verknüpfung vorgenommen werden kann, hat Philipp Köstner in einem Artikel bei Goldbach Interactive gut beschrieben.

Das bahnbrechende an dieser Verknüpfung: Google hat nun erstmals die Möglichkeit, beim Ranking zu berücksichtigen, WER einen Artikel verfasst hat und nicht, WO dieser erschienen ist. Langfristig wird das zu größeren Verschiebungen in den Google Ergebnissen führen. Gute Autoren werden die Suche mit ihren Veröffentlichungen mehr und mehr dominieren. Weg von der Plattform, hin zum Menschen – eine Entwicklung, die ich für begrüßenswert halte.

Author Rank für SEOs

SEOs waren bereits in der Vergangenheit gut damit beraten, hochwertige Inhalte ins Netz zu stellen. Mit der Einführung des Author-Ranks hat diese Maxime nochmal zusätzlichen Rückenwind bekommen. Im Blog von SearchMetrics wurde kürzlich eine Liste mit 200 Autoren veröffentlicht, deren Konterfei am häufigsten in den Google-Ergebnissen zu deutschsprachigen Suchbegriffen zu finden ist.

In dieser Liste finden sich einige Namen, die auch in der deutschen SEO-Szene wohlbekannt sind: Heiner Hemken, Martin Mißfeld, Benjamin Wingerter oder Malte Landwehr. Das sind genau jene SEOs, die bereits in der Vergangenheit mit gut recherchierten oder manchmal auch kontroversen Artikeln ihre Leser begeistern konnten. Ich bin mir sicher, dass solche Autoren mit der wachsenden Bedeutung des Author-Rank noch mehr Zulauf bekommen werden.

Uwe Tippmann, der übrigens auch auf der Searchmetrics-Liste zu finden ist, gab sich zur Einführung des Authorship-Attributes eher skeptisch:

Ich bin allerdings jetzt schon gespannt wie lange es dauern wird, bis die Anzahl blondhaariger, nettaussehender Autorinnen die Ergebnislisten dominieren werden…

Keine Frage, auch Fake-Profile werden mitunter in den Suchergebnissen auftauchen. Ich halte Google aber für schlau genug, solche Profile relativ leicht zu identifizieren und entsprechend zu entwerten. Wer in Zukunft noch gefunden werden will, der sollte spätestens jetzt damit anfangen, wirklich gute Inhalte zu produzieren – ohne Maske und unter eigener Flagge.


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5 Gedanken zu “Author Rank, SEO und die Bedeutung von Google+

  • Seb

    In der Tat sehr interessant! Bin gespannt, inwiefern sich der Author Rank noch auswirken wird. Das dürfte die Ergebnisse merklich verändern.

  • Cujo

    Ich stimme dir zu, dass die Autorenangabe die Klickrate bei den Suchergebnissen positiv beeinflusst und dass man den Author-Rank gar nicht wichtig genug einschätzen kann.

    Die Liste der Top 200 halte ich aber nicht für besonders aussagekräftig (obwohl ich auch darin vertreten bin). Da ist z. B. ein Mitarbeiter von t3n.de aufgeführt. Der hat seine guten Rankingpositionen aber wohl nicht nur durch seine gut geschriebenen Artikel erreicht, sondern auch dadurch, dass diese auf einer starken Website veröffentlicht wurden. Wenn er die gleichen Artikel auf einem eigenen Blog veröffentlicht hätte, wäre er wohl nicht so weit vorne gelandet. Ich halte dieses Ranking daher eher für eine Spielerei als für eine aussagekräftige Liste der besten Autoren.

  • Andy

    Also ich war zwar anfangs nicht so begeistert vom neuen Google +, aber hab mich doch entschieden ein Profil für meine Seite anzulegen und bin schlussendlich davon überzeugt 😉
    Gibt zwar schon noch paar Sachen die ich bei Facebook besser finde, aber wer weiß was noch kommt.

  • tobe

    das einzig traurige ist, dass seo infolgedessen zum popularity contest verkommt… die qualität von inhalten hat immer weniger einfluss…