Von Bitcoins, Eaves und anderen Netzwährungen 2


Durch einige Artikel beim Onlinemagazin t3n sowie Spiegel Online bin ich auf die virtuelle Währung Bitcoin aufmerksam geworden, welche für sich den Anspruch erhebt, eine echte Alternative zu »realen« Geldwährungen zu sein.

Tatsächlich gibt es im Internet eine Vielzahl virtueller Währungen, die den Status echter Zahlungsmittel eingenommen haben. Spontan muss man da an WoW Gold denken, für welches sich ein beträchtlicher Markt etabliert hat. Dieser ist so profitabel, dass eine unbekannte Anzahl chinesischer Lohnsklaven Tag für Tag in virtuellen Minen schuften und damit ihre Familien ernähren. Auch andere Spielwährungen unterliegen einem florierenden Handel und bevor Linden Labs dem Glücksspiel auf Second Life einen Riegel vorgeschoben hat, waren Linden Dollars hartes Gold für manchen Online Zocker.

Gegenüber diesen Ingame-Währungen haben Bitcoins eine interessante Besonderheit: Während das Spielgeld eines Onlinegames durch den Spieleproduzenten prinzipiell in beliebiger Menge zum Nulltarif produziert werden kann, ist die Menge verfügbarer Bitcoins begrenzt. Eine Bitcoin entsteht, indem der Rechner eines Bitcoin-Nutzers die Lösung eines schwierigen mathematisches Problems berechnet. Jedes Problem kann dabei nur einmal gelöst werden und erzeugt damit eine klar definierte Menge von Bitcoins. Damit wird die Menge verfügbarer Coins limitiert, was Inflation und Wertverfall der Währung entgegen wirken soll. Im Gegensatz zum Spielgold, aber auch zu konventionellen Währungen der heutigen Zeit, gibt es somit kein zentrales Regulierungsorgan, welches die Geldmenge der Währung steuert.

Nicht zuletzt wegen abenteuerlicher Kursschwankungen sind Bitcoins ein umstrittenes Zahlungsmittel, und erste Politiker wollen dem Handel mit der Hackerwährung bereits einen Riegel vorschieben. Dennoch sollte man sich in Zeiten, in denen immer mehr Menschen Zweifel an der Legitimität »realer« Währungen hegen, Gedanken zu alternativen Ansätzen machen. Das Bitcoins-System könnte hier eine Antwort parat haben.

Eine virtuelle Währung ganz anderer Art sind die Eaves von Empire Avenue, über das ich kürzlich berichtete und das mich zunehmend fasziniert. Eaves entstehen dort als Dividende und sind das Resultat vom Social Media Engagement der Spieler. Somit handelt es sich bei dieser Währung um ein Nebenprodukt realer Wertschöpfung – wenn man denn gewillt ist, die Erstellung von Inhalten im Social Web als Wertschöpfung aufzufassen. Bisher gibt es keine mir bekannte Möglichkeit, Eaves in hartes Geld zu tauschen, aber sie sind meiner Meinung nach der bisher gelungenste Versuch, soziales Kapital in Form einer Währung abzubilden.

Wie so vieles im Web ist im Bereich virtueller Zahlungsmittel noch viel Bewegung drin. Die finale Überwährung scheint es noch nicht zu geben, aber die Banken und Finanzämter dieser Welt sollten sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass Dollar, Euro und Co. in Zukunft Konkurrenz bekommen könnten durch Systeme, die ganz anderen Einflüssen und Regeln gehorchen. Sie wären nicht der erste Wirtschaftszweig, der von den bahnbrechenden Umwälzungen im Web schlichtweg überrollt wird.


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2 Gedanken zu “Von Bitcoins, Eaves und anderen Netzwährungen

  • Rudolf

    Ich habe letztens einen Thread in einem Bitcoin Forum gefunden. dort hat ein User vor etwas über einem jahr bitcoins im wert von 40 dollar für 2 pizzen vergeben. ein jahr später wären die gleichen bitcoins 270.000$ wert gewesen… so etwas fass ich nicht an, das scheint mir schon sehr seltsam!

  • Max

    Aber die Zahl mathematischer Probleme ist auch unbegrenzt, insofern kann es durchaus hohe Inflation geben. Sicherlich nicht so viel wie bei WoW-Gold, aber trotzdem. Ich sehe diese Konzept noch etwas skeptisch…