Blogoptimierung Teil 1: Kategorien 6


Blogs optimierenIm Laufe der Jahre hat sich hier im Webmaster Blog einiges an Staub angesammelt – im Herbst hatte ich das Thema in meinem Artikel Erosion eines alternden Blogs schonmal angerissen. Und auch wenn die Besucherzahlen noch ganz passabel sind, muss ich den Tatsachen ins Auge sehen: Viele der täglichen Besucher finden von Google hier her, weil sie wissen wollen, wie sie die Startseite ihres Browsers einrichten können. Sie lesen den entsprechenden Artikel und kommen danach nie wieder.

Das ist aus zweierlei Gründen schade: Einerseits möchte ich natürlich gerne Stammbesucher haben, die regelmäßig meine Artikel lesen und diese auch mal verlinken oder auf Facebook und Twitter empfehlen. Zum anderen sind solche Gelegenheitsbesucher, wenn sie denn einen Großteil des Traffics ausmachen, langfristig schädlich für das Ranking in den Suchmaschinen. Google achtet bei der Bewertung einer Website immer mehr auf das Verhalten der Nutzer und eine hohe Bounce-Rate wird über kurz oder lang zu einer Rückstufung in den Suchergebnissen führen. Auch eine niedrige Anzahl wiederkehrender Benutzer dürfte als negatives Signal für die Qualität einer Website gewertet werden.

Ich will also dafür sorgen, dass Besucher hier nicht nur einen Artikel, sondern ruhig auch zwei oder drei Posts aufrufen, einen Kommentar abgeben und vielleicht sogar den RSS-Feed abonnieren und zu Stammlesern werden. Ich glaube, dass ich hier genug guten Content habe, um dies zu erreichen – ich muss diesen nur so aufbereiten, dass er auch von einem neuen Besucher wahrgenommen wird. Dann schlage ich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: Der User ist zufrieden, weil er gute Inhalte vorfindet, ich freue mich über mehr Pageviews, und langfristig verbessern sich sogar die Rankings bei Google.

Ich habe verschiedene Stellen ausgemacht, an denen sich das Webmaster Blog in dieser Hinsicht optimieren lässt, und möchte eine kleine Artikelserie daraus machen. Im ersten Teil dieser Serie möchte ich mich dem Thema Artikelkategorien widmen.

Kategorieseiten als Landing Pages

Fast jede Blogsoftware bietet die Möglichkeit, Posts in Kategorien einzusortieren. Ein enorm sinnvolles Feature, denn es gibt dem Blog Struktur und fasst thematisch passende Artikel unter einem gemeinsamen Dach zusammen. WordPress stellt für jede dieser Kategorien Übersichtsseiten bereit, auf denen sich die Artikel der jeweiligen Kategorie wiederfinden. Ähnlich wie die Tagübersichten stellen diese Kategorieseiten einen zentralen Dreh- und Angelpunkt in der internen Verlinkungsstruktur eines Blogs dar. Kategorien werden aus vielen Artikeln verlinkt und verteilen die eingehende Linkpower auf thematisch verwandte Artikel.

Leider machen es sich die meisten Theme-Entwickler bei der Realisierung der Kategorieseiten sehr einfach: Es kommt einfach die archive.php Datei zum Einsatz, die WordPress für alle Archivseiten verwendet, wenn es kein spezifischeres Template für die Darstellung findet. Auf diesen Archivseiten findet sich meist nur eine sehr trockene Auflistung von Artikeln. So sah die Kategorieseite für die Web 2.0 Kategorie im Webmaster Blog bisher folgendermaßen aus:

Diese Realisierung ist zwar funktional, bringt aber zwei wesentliche Nachteile mit sich: Zunächst mal gibt es keinerlei einzigartigen Content auf diesen Seiten. Alle Texte, die Google auf so einer Archivseite vorfindet, gibt es bereits in der Einzelansicht der jeweiligen Artikel. Rein aus algorithmischer Sicht bietet diese Kategorieseite also keinerlei Mehrwert. Im schlimmsten Fall konkurriert die Seite gar mit den eigentlichen Artikeln in den Rankings. Im Falle meines Themes wird dies dadurch beschränkt, dass die Artikel auf der Kategorieseite nur kurz angeteasert wurden. Es gibt aber auch WordPress Themes, bei denen auf den Archivseiten die kompletten Artikel runtergeleiert werden. In diesem Fall sollte eine Indizierung der Archive auf jeden Fall unterbunden werden, da man sich sonst gravierende Duplicate Content Probleme schafft.

Doch nicht nur bei einem Suchmaschinen-Bot hinterlässt so eine Seite einen schlechten Eindruck: Sollte sich doch mal ein Besucher von Google auf so eine Textwüste verirren, so wird er vermutlich in den meisten Fällen ebenso schnell wieder verschwinden, wie er gekommen ist. Mit viel Glück ist eine der Artikelüberschriften so ansprechend, dass ein Besucher sich zum eigentlichen Artikel durchklickt. Die Archivseite an sich jedoch wirkt seelenlos und lädt keinesfalls zum Stöbern und einem längeren Aufenthalt ein.

Es gibt also zwei Ziele bei der Optimierung der Kategoriearchive: Google soll dort einmaligen Content vorfinden, und ein neuer Besucher, der das Blog über eine solche Seite betritt, soll abgeholt und gehalten werden.

Dem Wildwuchs Einhalt gebieten

Bevor es an die Optimierung der eigentlichen Kategorieseiten ging, hatte ich noch ein anderes Problem zu lösen: Im Laufe der Jahre ist hier eine unübersichtliche Vielzahl an Kategorien entstanden, die sich teilweise überschneiden. Dieser Wildwuchs an Kategorien ist ein Phänomen, unter dem viele ältere Blogs leiden. So hat zum Beispiel das Netzpolitik Blog derzeit 47 Artikelkategorien, bei BasicThinking dürften es über hundert sein. Auch im Webmaster Blog gab es an die 40 Kategorien, einige davon enthielten jedoch nur eine einstellige Zahl an Artikeln, so zum Beispiel eine eigene Kategorie zum Thema Gadgets – sicherlich kein Kernthema dieses Blogs.

Hier galt es System hereinzubringen. Durch Zusammenfassung mehrerer Einzelkategorien konnte ich die Zahl der Kategorien auf 20 reduzieren. So wurde zum Beispiel aus den Einzelkategorien Programmieren, Usability und Webdesign die neue Sammelkategorie Entwicklung, Webdesign & Usability. Die so geschaffenen Kategorien sind relativ gut voneinander abzugrenzen.

Die Kategoriebeschreibung als Inhaltselement

Als nächstes war das Contentproblem der Kategorien anzugehen. WordPress stellt hier von Haus aus bereits die Möglichkeit zur Verfügung, den Kategorien eine Beschreibung zuzuweisen. Um diese auch zur Anzeige zu bringen, musste ich das Theme anpassen.

Wie bei vielen anderen WordPress Themes auch, wird beim hier verwendeten Padangan Theme zur Darstellung von Kategorien auf die archive.php Datei zurückgegriffen. Indem man im Theme eine Kopie dieser Datei unter dem Namen categories.php ablegt, stellt man WordPress ein eigenes Template für die Anzeige von Kategorieseiten zur Verfügung. Dieses habe ich dann an geeigneter Stelle um folgenden PHP-Code erweitert:

$description = category_description();
echo $description;

Indem man nun jeder Kategorie einen beschreibenden Text von etwa 200 Worten spendiert, sorgt man so schonmal dafür, dass die Kategoriearchive über neuen, Google bisher nicht bekannten Inhalt verfügen. Weiterhin eignen sich diese Texte gut dazu, einem neuen Besucher einen Einstieg in das Thema zu verschaffen.

Um die Seiten auch optisch aufzuwerten, wollte ich in der Kategoriebeschreibung auch jeweils eine zur Kategorie passende Grafik als Blickfang integrieren. Leider hat WordPress diese Möglichkeit nicht vorgesehen, und erlaubt auch HTML in Kategoriebeschreibungen nur in sehr begrenztem Umfang. Ein Plugin mit dem Namen HTML in Category Descriptions schafft hier Abhilfe. Nachdem ich dieses installiert hatte, konnte ich auch Bilder einbetten. Mit ein paar weiteren, kleinen Anpassungen am Template und ein wenig CSS aufgepeppt sieht der Kopfbereich der Web 2.0 Kategorieübersicht so schon ganz ansprechend aus:

Leitartikel und Kommentare als Blickfang

Mit der aufbereiteten Beschreibung hat die Archivseite sowohl für Google als auch den Besucher hoffentlich an Attraktivität gewonnen. Darunter befand sich aber weiterhin die Textwüste aus angeteaserten Artikeln – schön ist anders. Besser sähe es vermutlich aus, zumindest einen Artikel in gutem Licht darzustellen. Ich entschloss mich dafür, den jeweils letzten Artikel einer Kategorie mit Artikelbild anzureißen und mit einer Hintergrundbox hervorzuheben. So kann ein Besucher sofort sehen, wie ich meine Artikel gestalte. Von den weiteren Artikeln liste ich danach nur noch die Überschriften, verlinkt mit dem jeweiligen Artikel auf, was das Verhältnis von originärem zu doppeltem Content auf der Archivseite weiter verbessert.

Um die Seite graphisch noch ein wenig aufzubereiten und gleichzeitig den kommunikativen Charakter des Blogs zu unterstreichen, blende ich dann nach der Artikelliste noch die letzten Kommentare zu Artikeln in der Kategorie zusammen mit den Avataren der Kommentatoren ein:

Diese Aufmachung sollte meiner Meinung nach ganz gut zum Stöbern animieren. Ein Besucher, der hier nicht tiefer in die Site einsteigt, ist wohl wirklich im falschen Blog gelandet und nicht als Stammleser zu gewinnen. Reisende soll man nicht aufhalten.

Beschränkung der Indizierung

Mehr als eine Landingpage pro Kategorie macht vermutlich wenig Sinn. Natürlich passen aber bei einem umfangreicheren Blog nicht alle Artikel einer Kategorie auf die erste Archivseite. Auf die Möglichkeit des Blätterns in den Kategoriearchiven kann man daher nicht verzichten. Um nicht erneut doppelte Inhalte zu erzeugen habe ich die Änderungen auf die erste Seite jeder Kategorie beschränkt. Die Folgeseiten sollen somit auch nicht in den Google Index geraten, was sich am einfachsten mit dem Meta-Tag Robots: noindex realisieren lässt.

Zur Steuerung der Suchmaschinen nutze ich hier im Webmaster Blog das wpSEO-Plugin, über das ich in meinem Artikel zum Thema SEO Plugins bereits ausführlich berichtet habe. Dieses sorgt automatisch dafür, dass auf den geblätterten Seiten das Noindex-Tag erscheint, so dass ich mich um dieses Detail nicht mehr kümmern muss.

Finetuning

Zu guter Letzt habe ich mein neues Seitendesign noch mit einem Facebook Like-Button und einem Adsense-Block unterhalb des Leitartikels versehen. Ein gelegentlicher Facebook-Share der Kategorieseiten durch meine Leser könnte für den ein oder anderen neuen Besucher sorgen und schafft ferner Deeplinks auf die Landingpages. Der Adsense-Block hingegen wird mich zwar nicht reich machen, bietet aber vielleicht den Besuchern, die hier im Blog doch falsch aufgehoben sind vielleicht einen sinnvollen Ausweg aus der Site.

Nun stehe ich vor der Aufgabe, alle meine Kategorien mit guten Einleitungstexten und passenden Bildern zu versehen, bevor es im nächsten Teil dieser Artikelserie um die Optimierung der Startseite dieses Blogs geht.


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6 Gedanken zu “Blogoptimierung Teil 1: Kategorien

  • Nico Schubert

    Hallo Thomas,

    ein echt toller Beitrag und ich würde mal behaupten genau der richtige Einstieg, um Blogs zu optimieren. Vor allem hast du hier bei diesen Artikel ganze 1573 Worte runtergezimmert, für den Einstieg ist dies schonmal sehr viel. Ich hätte dies an deiner Stelle in zwei Artikeln aufgeteilt, dadurch hättest du sicherlich auch noch den Longteil abgedeckt.

    Mal was zum Thema Facebook Like-Button , ich empfehle dir deine Datenschutzbestimmungen auch gleich mal anzupassen. Da du mit den Einbau des Facebook Like-Button automatisch Daten an Facebook übermittelst. Wenn du deine Datenschutzbestimmungen nicht anpasst, bist Du Abmahnungs gefährdet.

    Zum Thema der Kategorien, ich würde hier versuchen irgendwie die unter Seiten der Kategorien zusätzlich individuell zu gestalten. Gegebenenfalls kann man diesen Kategorieseiten individuelle Titel mit Keywort Kombination aus der Kategorie ausbauen. Dadurch könnte man sicherlich mit ein paar Optimierungs Maßnahmen gute Traffic Seiten bilden. Für den Einstieg, als Erstbesucher wäre dies aber sicherlich nicht unbedingt optimal.

    In diesem Sinne, wünsche ich dir viel Erfolg mit deiner Artikelreihe. Ich werde diese über Facebook verfolgten.

    Grüße Nico

  • Thomas Frütel Beitragsautor

    Hallo Nico,

    danke für den Hinweis mit den Datenschutzbestimmungen, dass musste tatsächlich mal erweitert werden.

    Den Ausbau der Kategorie-Blätterseiten halte ich für wenig erfolgversprechend. Im Gegensatz zu den Hauptkategorieseiten sind diese ja auch nicht aus den Blogposts heraus verlinkt, und haben so ohnehin nur wenig eingehende Linkpower. Daher lasse ich diese lieber auf NoIndex, statt die starken Landingpages damit zu kanibalisieren.

  • Meik Struve

    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung dieser Artikelreihe. Ich habe vor ein zweites Projekt zu starten. Da mein erstes bisher nicht besonders viel Traffic aufweist werde ich mich bei der Planung und Umsetzung meines zweiten Projekts gezielt auf SEO und Besuchertiefe spezialisieren. Ich sehe es nämlich ähnlich mit dem Durchstöbern von Websites. Wenn eine Site nicht ansprechend aufgebaut ist ist es auch kein Wunder, dass Besucher nach einmaligem Kontakt mit der Seite nicht wiederkommen. Um Leser zu binden würde ich auch empfehlen Videos, kleine Spiele und wohlige Farben beim Design der Site zu wählen.

    Danke auch an Nico. Ich habe nun auch meine Datenschutzbestimmungen angepasst.

  • Junior

    Hi,

    vielen Dank für den ausfürhlichen Artikel, der wirklich sehr lesenwert ist!

    Gibt es die Möglichkeit, daß du den Quellcode deiner archive.php hier zur Verfügung stellst?

    Vielen Dank und besten Gruß

    Junior

  • Thomas Frütel Beitragsautor

    @Junior: Den Quellcode der archive.php hier einzustellen ist prinzipiell eine gute Idee. Allerdings greift diese auch auf Funktionen aus der functions.php zurück und bindet eine eigene Sidebar ein, so dass ich mal gucken muss, wie ich das sinnvoll hinbekomme, ohne gleich das ganze Theme zu veröffentlichen.

  • Thom

    So,

    letzte Woche hab ich den Artikel hier gefunden, heute Nacht hab ich mich mal an die ersten Blog Cat`s meiner Frau gemacht.
    Ich bin noch nicht zufrieden aber ich bin auf dem Weg ^^

    Danke für die Anleitung, obwohl Sie nicht für jeden gleich verständlich ist. Auf das Plugin „HTML in Category Descriptions“ könntest du noch ein Stück tiefer eingehen.

    Gruß
    Thom