Alltagshelden als Linkbait
Dass Links von anderen Websites nicht nur eine wesentliche Quelle für guten Traffic, sondern zudem noch immer der wichtigste Faktor für eine gute Suchmaschinenplatzierung sind, dürfte fast allen Lesern dieses Blogs bekannt sein. Mittel und Wege, um an Links zu kommen, gibt es dutzende. Der sicherste, oft aber auch zeitaufwändigste Weg Links zu erhalten ist der natürliche Linkaufbau durch guten Content, der freiwillig verlinkt wird.
Oft fehlt hierfür die Zeit und es kann sich lohnen bestimmte Inhalte zu veröffentlichen, die ausschließlich dazu dienen, Links zu generieren. Bei solchen Inhalten spricht man von Linkbait (Linkköder). Ein gut ausgeführter Linkbait kann in wenigen Tagen tausende, teilweise sehr hochwertige Links aus der ganzen Welt verschaffen. Es lohnt sich also, diese SEO-Stragegie näher zu untersuchen. Im Folgenden möchte ich dazu zwei Beispiele erstklassiger Linkbaits vorstellen.
Das HPOA-Girl
Anfang der Woche machte der Flugbegleiter Steven Slater Schlagzeilen, weil er nach der Landung die Passagiere seines Flugs in einem Wutanfall beschimpfte, sich ein Bier vom Servierwagen nahm und daraufhin den Flieger über die Notrutsche verließ. Sicherlich ein spektakulärer Weg, seinen Job zu beenden.
Nur wenig später jedoch wurde Slater von einer jungen Dame namens Jenny in den Schatten gestellt. Jenny hatte offensichtlich gerade ihren Job an den Nagel gehängt und gibt ihre Gründe in einer Mail bekannt, die sie an die ganze Abteilung verschickt haben soll: In 34 Bildern schildert die attraktive Sekretärin mit Hilfe einer Tafel, die sie mit ausdrucksstarker Mimik vor die Kamera hält, was ihr im Job widerfahren ist: Wie Ihr tyrannischer Chef sie als HOPA (oder HPOA – Hot Piece Of Ass) bezeichnet habe und dass er knapp 20 Stunden seiner wöchentlichen Arbeitszeit mit Farmville zubringt.
Bereits einen Tag später gibt die Junge Dame bekannt, dass sie gar nicht Jenny heißt und die ganze Geschichte nur ein Hoax gewesen sei. Nichtsdestotrotz hat die Geschichte von »Jennys« Kündigung dem Blog theChive gut 17.000 Links eingebracht. Die Auflösung, dass es sich um einen Fake handelt, war auch noch einmal für 1.500 Links, darunter von Autoritätssites wie TechCrunch gut.
Der Lamborghini-Guy
Schon etwas älter, weniger erfolgreich als das HOPA-Girl, aber dennoch ein schönes Beispiel für guten Linkbait ist die Story von Richard Jordan. Sie handelt von einem jungen Unternehmer, der in eine Lebenskrise fiel weil er von seiner Verlobten, kurz nachdem er für diese ein Haus gekauft hatte, verlassen wurde. Für dieses Haus, das er selbst eigentlich gar nicht haben wollte, hatte er zuvor sein Geschäft verkauft.
Was macht ein junger Mann in so einer Situation? Er kauft sich einen Sportwagen. Einen Lamborghini, um genau zu sein. Nachdem er das Haus nicht los wurde, verkaufte Jordan den Rest seiner Besitztümer, um davon eine Anzahlung von 75.000 Dollar auf einen Lamborghini Gallardo zu leisten.
Mehrere Jahre soll Jordan dann mit dem Wagen kreuz und quer durch die USA gereist sein und Strafzettel im fünstelligen Dollarbereich kassiert haben. Inzwischen ist der Wagen mit knapp 100.000 Kilometern mehr oder weniger schrottreif, Jordan hochverschuldet und die Bank ist nicht mehr bereit, ihm einen Kredit zu geben. Er soll aber bereits ein neues Unternehmen haben und zeigt keine Reue für seinen Ego-Trip:
His Lamborghini may no longer run, but Richard doesn’t regret the decisions he’s made. He adopts a zen-like tone that clashes with his mohawk while explaining how lucky he was to be able to leave everything behind and experience something many fantasize about but almost no one has the balls to actually do.
“You’re never going to live up to anyone’s expectations, so you might as well live up to your own and for me that’s to be as free as you can. And if money doesn’t buy you freedom then it’s useless.”
Ich weiss leider nicht, ob die Story von Richard Jordan real ist, aber für mich wirkt sie wie ein konstruierter Linkbait. Die Ausbeute ist mit gut 300 Links im Vergleich zum HPOA-Girl beschämend gering, aber jeder Blogger wird bestätigen können, wie schwer es ist, auch nur 100 Links zu einem einzelnen Artikel zu bekommen. Die 18.000 Likes, die der Blogpost auf Facebook verzeichnen kann, sind im Übrigen auch mehr als eindrucksvoll.
Träume ansprechen
Was haben die Geschichten von Jenny dem Officegirl, Richard Jordan oder auch Steven Slater gemeinsam? Sie handeln von Personen, die etwas machen, was die meisten Menschen sich nie trauen würden. Auf meinen Tweet, dass die Story von Jenny doch von vornherein ein offensichtlicher Hoax war, antwortete Klaus-Dieter Knoll:
Hat aber funktioniert! Träume und Wünsche ansprechen und in einer Story verpacken: “Jenny,” the HPOA Girl: http://bit.ly/boVO5M via @Fruetel
Damit trifft er den Nagel wohl auf den Kopf. Für einen richtig erfolgreichen Linkbait sollte man eine Geschichte parat haben – eine Geschichte, die von Helden erzählt, mit denen sich viele Menschen auf die ein oder andere Art identifizieren können. Helden die etwas tun, wovon andere nur zu träumen wagen.
Ob diese Geschichte real oder erfunden ist, scheint dabei zweitrangig zu sein. Im Einzelfall muss man sicherlich entscheiden, ob man es sich leisten kann, seine Leser mit einer Fantasiegeschichte an der Nase herum zu führen. Im Fall des HPOA-Girls scheint es dem Ansehen des Blogs nicht geschadet zu haben, und auch beim Lamborghini-Guy nehme ich an, dass es den Lesern egal ist, ob Richard Jordan real existiert. Die Leute wollen einfach glauben, dass die Geschichten echt sind. Nach dem gleichen Prinzip funktionieren Reality-TV und viele Talkshows. Sollte sich dagegen der Flugbegleiter Steven Slater eines Tages als Hoax herausstellen, wäre das für Medien wie Spiegel Online, die darüber berichteten, vermutlich eher unangenehm.
Natürlich gibt es noch viele andere Methoden, einen Linkköder auszulegen. Geschichten wie die hier genannten gehören aber wohl zu den mächtigsten und erfolgversprechendsten Ansätzen. Welche Geschichte habt Ihr zu erzählen?







August 15th, 2010 at 12:18
Kurzfristig mögen diese Linkbaits ja erfolgreich sein, aber auf lange Sicht schaden sie nicht nur demjenigen, der sie gestartet hat, sondern dem kompletten Internet. Solche Meldungen, die sie sich später als reine Erfindung herausstellen, schaden der sowieso schon stark angeschlagenen Glaubwürdigkeit des Internets. Dass man nicht alles glauben darf, was im Internet steht und dass Bilder dank Paintshop so gut wie gar keine Aussagekraft mehr haben, daran hat man sich inzwischen ja schon gewöhnt. Aber wenn man Meldungen von seriösen Nachrichtenseiten wie spiegel.de nicht mehr glauben kann, stellt sich natürlich die Frage, wem man überhaupt noch vertrauen kann?
August 15th, 2010 at 12:23
Spiegel Online hatte ja nur die Geschichte über den Flugbegleiter gebracht, und die ist meines Wissens kein Fake. Insofern ist die Glaubwürdigkeit des Spiegels in diesem Fall nicht angeschlagen worden.
August 16th, 2010 at 19:44
Hallo, solche Aktionen (also abgesehen vom Flugbegleiter, der ja echt zu sein scheint) hat es auch ohne Internet, Blogs, Mail Kampagnen u.dgl. schon gegeben. Also nix Neues. Das “neue” daran: schnellere Verbreitung.
August 17th, 2010 at 9:26
Interessanter Artikel und schöne Beispiele, wobei die Geschichte des Flugbegleiters ja wohl in der Tat real war. Ich finde es auch gefährlich, konstruierte Geschichten als Linkbait-Mittel zu verwenden. Auch wenn es kurzfristig zu einem enormen Schub kommen kann, so kann nach Aufdeckung des Fakes auch eine ziemlich negative Gegenwelle entstehen. Und mal abgesehen davon mag Tante Google es ja eher gar nicht, wenn innerhalb weniger Tage tausende neuer Links entstehen. Ist also die Frage ob dies aus SEO Sicht wirklich langfristig von Nutzen sein kann. Kurzfristig haut es aber sicher voll rein
August 18th, 2010 at 14:14
Die Menschen wollen echte Geschichten, sie fallen aber leider auf Fakes herein. Dabei gibt es genug echte Helden.
August 23rd, 2010 at 13:55
Linkbaits die auf erfundenen Geschichten basieren bringen sehr wohl etwas. Und Google wird ebenfalls nicht dumm sein. Ein guter Linkbait, wird soviel Aufmerksamkeit in Blogs, Social Media Portalen etc. pp. bekommen, dass die Anzahl der neuen Links auf die Seite in diesem Fall vollkommen natürlich aussieht, und das wird Google natürlich auch einfach erkennen können und als legitimes Mittel werten.
Wenn der Fake aufgedeckt wird: Na Und? Je nachdem wie der Linkbait angelegt ist wird es noch mehr Links auf die Seite hageln. Ob das Unternehmen oder die Person dann ein entsprechend dickes Fell hat um aus den negativen Nachrichten Kapital zu schlagen ist eine ganz andere Geschichte.
August 30th, 2010 at 8:45
[...] Thomas Früchtel hat in Roberts Beitrag dazu folgende Meinung vertreten: “Über Twitter haut man einen Link mal einfach schnell raus, wenn man denkt, der könnte eventuell für einige Follower interessant sein. Wenn ich eine Seite aus einem Blogpost verlinke, mache ich mir da schon gründlichere Gedanken zu.” [...]
September 18th, 2010 at 11:56
Ich kauf mir auch nen Lamborgini.
Ist ne Interessante alternative zum suchen von neunen Linkpartnern.