Google Wave – Die Welle ist verebbt
Nach seiner Vorstellung auf der I/O Konferenz 2009 avancierte Googles Kommunikationsexperiment Wave schnell zum meistgehypten Onlineprodukt des letzten Jahres. Viele Experten sahen in Wave das Ende von E-Mail, und auch ich war von den Möglichkeiten beeindruckt. Vier Monate später kamen bei einem ersten Test allerdings die ersten Zweifel auf: Das Produkt ist mächtig, aber schwer verständlich.
Seitdem ist es ruhig um Wave geworden. Die Idee, via iFrame beliebige Webinhalte in eine Wave zu integrieren, wurde noch von einigen Nutzern positiv aufgenommen. Die Ankündigung auf der diesjährigen I/O, dass das Produkt jetzt ohne Invite für jedermann nutzbar ist interessierte kaum noch jemanden. Nun hat Google offiziell das Ende von Wave eingeläutet. Man werde Wave nicht mehr als eigenständiges Produkt weiterentwickeln, einige Features würden in andere Google Dienste integriert. Mindestens bis Ende des Jahres soll die Plattform bestehen bleiben, aber faktisch ist dies das Todesurteil für Wave.
Marcel Weiss wirft Google Ungeduld vor, und zeigt zugleich auf, worin das eigentliche Problem besteht:
Google Wave hatte Potential. Allerdings, wie so oft, hat Google ein technisch gutes Produkt bereitgestellt, ohne sich um die Nutzer und die Usecases zu kümmern. Googles typische Ingenieursherangehensweise, darauf zu hoffen, dass (technische) Qualität sich ohne Marketing und User-Support oder ähnliches durchsetzt, hat erneut nicht funktioniert.
Wave ist ein erklärungsbedürftiges Produkt, sowas kann man nicht einfach ins Netz stellen und darauf hoffen, dass es von selbst akzeptiert wird. Auch Twitter wäre heute nicht das, was es ist, hätte es am Anfang nicht Evangelisten wie Robert Scoble, Guy Kawasaki oder Chris Brogan gegeben. Meines Wissens hat sich Google nie aktiv um solche Nutzer bemüht. Wave wurde gebaut, vorgestellt und im Netz mehr oder weniger seinem Schicksal überlassen. Dass das so nicht funktionieren würde, war relativ absehbar, ist aber eine für Google anscheinend typische Herangehensweise.
Man kann jetzt schon spekukieren, welches eigentlich vielversprechende Google Produkt als nächstes von diesem Schicksal ereilt wird. Buzz ist hier ein denkbarer Kandidat, aber auch Google Knol, das einst als potenzieller Wikipedia Killer galt, scheint kurz vor dem Ende zu stehen. Ob die Social Networking Plattform Orkut noch eine große Zukunft hat, darf ebenfalls bezweifelt werden.
Man muss Google Respekt dafür zollen, dass sie radikale Ansätze zumindest ausprobieren, und Projekte wie Wave, Knol oder Lively an die Öffentlichkeit bringen. Leider mangelt es dem Technologieriesen aber an Möglichkeiten, den Nutzen seiner Produkte dem Nutzer zu vermitteln. Sollte sich das nicht ändern, braucht sich Facebook über ein eventuelles Google Me vermutlich wenig Sorgen zu machen.





