Ist Facebook das Ende der Homepage?
Der Buzz um Facebook nimmt kein Ende. Trotz aller Skandal und Datenschutz-Bedenken ist die Plattform weiterhin der Ort, zu dem es alle hinzieht – dass kürzlich die 500 Millionen Nutzer Grenze geknackt wurde, ist da nur noch Statistik. Agenturen, die sich auf Facebook Marketing spezialisieren sprießen wie Pilze aus dem Boden, und viele Unternehmen sind bereit, Unsummen für eine einigermaßen schicke Facebook Präsenz auf den Tisch zu blättern. Jeder will dabei sein, koste es, was es wolle.
Grundsätzlich halte ich es für völlig richtig, wenn Unternehmen ihrer Facebook Präsenz eine gewisse Bedeutung beimessen. Aufgrund der starken Vernetzung der Nutzer haben Inhalte auf dieser Plattform ein gewaltiges virales Potenzial. Aber ist eine Facebook Page geeignet, den eigenen Webauftritt vollständig zu ersetzen?
Einem Bereicht bei kress zufolge scheint das Männermagazin FHM der Meinung zu sein, dass das geht: So wurde die Webpräsenz unter fhm-online.de komplett auf die Facebook Page des Magazins umgeleitet. Für das Geschäftsmodell einer Website sähe der Verlag langfristig keine Perspektive, erfährt der verwunderte Leser bei kress.
Mir ist jetzt die alte Website von FHM nicht bekannt, aber wenn man deren Facebook Page mal mit der Website des Mitbewerbers Men’s Health vergleicht, dann schneidet FHM da gelinde gesagt sehr schlecht ab. Martin Weigert wundert sich ebenfalls über diese Strategie und führt zurecht an, dass der Verlag sich damit in eine gefährliche Abhängigkeit begibt. Es wäre ja nicht dass erste Mal, dass Facebook eine Fanpage aus einer Laune heraus dicht macht, und die Inhalte von FHM sind für prüde Amerikaner ohnehin grenzwertig. Ich bin mir nicht sicher, ob den Entscheidern bei FHM klar ist, welch gewaltiger Unterschied zwischen einem offenen Medium wie dem World Wide Web und der Plattform eines einzelnen, gewinnorientierten Unternehmens wie Facebook besteht.
Vielleicht ist das ganze ja nur ein kurzfristiger Publicity-Gag mit dem Ziel, die Fanbase auf Facebook in die Höhe zu treiben, und in einer Woche wird die Weiterleitung wieder aufgehoben. Immerhin hat FHM derzeit fast zehn mal so viele Facebook-Fans wie die Men’s Health. Aus SEO Sicht wäre diese Strategie zwar Irrsinn, aber es mag gut sein, dass man bei FHM wenig Wert auf Suchmaschinentraffic legt. Falls die Facebook Page wirklich eine Website ersetzen soll, dann gibt es dort noch viel zu tun.
So wichtig ein guter Facebook Auftritt für die Markenstrategie inzwischen auch sein mag, die eigene Website damit ersetzen zu wollen ist eine dumme Idee. Lang lebe die Homepage!




August 15th, 2010 at 7:19
Also so ganz ersetzen, sei es ein Blog-Auftritt oder eine eigene Webseite, können sowohl Facebook als auch andere ähnliche Plattformen ganz und gar nicht. Ich denke, da kann man sagen, eher ergänzen, sprich als ein Ort des Informationsaustauschs dienen und darüber hinaus, je nachdem wie man es mit Facebook anstellt. Ich sehe Facebook, Twitter und Co. als zusätzliche Maßnahmen, eigene Inhalte zu veröffentlichen bzw. deren Publizieren etwas effektiver zu gestalten. Klar, Facebook ist derzeit in vielerlei Munde und ich finde so langsam auch einen Gefallen daran, aber wir Blogger brauchen Platz zum Schreiben und Sonstigem, was mit dem Blogging zu tun hat. Das lässt sich auf keiner Plattform realisieren wie auf einem eigenen Blog.