Migipedia: Supermarkt 2.0
Supermärkte und Web 2.0 – zwei Themen, die wenig miteinander zu tun haben, könnte man meinen. Während deutsche Supermarktketten wie Edeka oder Rewe im Web eher zurückhaltend agieren, zeigen die Schweizer von Migros jetzt, wo der Hammer hängt: Mit der Migipedia zieht der Discounter scheinbar alle Register eines modernen Produktportals.
Das Migros Angebot lässt sich nach Produktkategorien und Marken durchstöbern, jeder Artikel ist mit Bild, Preis und teilweise umfassenden Zusatzinformationen in Szene gesetzt. Benutzer können die Produkte nach verschiedenen Kriterien bewerten, eine Kommentarfunktion fehlt ebenso wenig wie die Möglichkeit, Produkte über Twitter oder Facebook zu bewerben. Besitzer einer Webcam können mittels eines Flash-Widgets sogar den Barcode ihrer Einkäufe einscannen, um diese bequem auf Migipedia wieder zu finden.

Neben der Präsentation der Angebotspalette hofft man wohl auch auf einen besseren und offenen Dialog mit den Kunden. Im Blick am Abend äußert sich ein Migros Sprecher zur Plattform:
Wir wollen Kunden zu Wort kommen lassen [...] Wir üben keine Zensur.
Die technische Umsetzung macht auf mich einen sehr guten Eindruck, der Innovationswille von Migros ist beeindruckend. Ob sich ein derartiges Portal für einen Discounter tatsächlich lohnen kann, muss sich zeigen. Entscheidend dürfte es sein, eine funktionierende Community aufzubauen. Das Identifikations- beziehungsweise Begeisterungspotenzial der Konsumenten für typische Supermarktartikel würde ich jedenfalls eher niedrig einschätzen.
Die deutsche Kette Plus hatte 2007 mit einer recht aufwändigen Second Life Präsenz aufgetrumpft, dieses Experiment muss man aber inzwischen wohl als gescheitert ansehen. Ich wünsche Migros, dass sie mit ihrer Interpretation eines Mitmach-Kataloges im Web erfolgreicher sind.





