Bauplan für das nächste Facebook
Keine Frage: Facebook reitet derzeit ganz oben auf der Welle des Erfolges. Doch kein Licht ohne Schatten, und mit jedem neuen Feature wächst zugleich die Kritik an den Praktiken, mit denen Facebook die Daten seiner Nutzer sammelt und vereinahmt. Einige Web Celebrities haben bereits ihre Facebook Accounts gelöscht und verlangen nach einer offenen Alternative.
Mich persönlich stören an Facebook weniger Datenschutzaspekte, als die oft haarsträubende Useability. Dennoch scheint es derzeit keinen Mitbewerber zu geben, der dem amtierenden Platzhirsch der Social Networks auch nur annähernd das Wasser reichen kann. Doch genau so wie Friendster und MySpace quasi in der Bedeutungslosigkeit versunken sind, könnte auch Facebook eines Tages gestürzt werden. Vielleicht ist es jetzt an der Zeit, die Planungen für das nächste große Ding im Web anzugehen.
Joey Tyson von Social Hacking hat sich Gedanken gemacht, wie jemand vorgehen sollte, der ein besseres Facebook bauen möchte. Unter anderem empfiehlt auch Tyson, sich mehr auf Aspekte wie ein einfaches und verständliches Interface und einen klaren Workflow zu konzentrieren, als auf technische Feinheiten wie Datenaustauschformate oder Loginprozesse. Wenn ich als Webfreak mich schon schwer dabei tue, einen RSS-Feed in eine Fanpage zu integrieren, will ich gar nicht wissen, wie es Otto-Normalnutzer auf Facebook geht. Ebenfals einen guten Punkt macht Tyson mit dem Tipp, sich an vorhandenem und frei zugänglichem Forschungsmaterial zu orientieren. Es gibt hunderte von wissenschaftlichen Arbeiten zu Themen wie Privatsphäre und Interaktion in sozialen Netzwerken. Es wäre dumm diese zu ignorieren, wenn man ein besseres Facebook bauen will. Der dritte Aspekt des Artikels, der mir wichtig erscheint, ist das Reduzieren des Rauschpegels. Facebook leistet mit dem Newsfeed an und für sich schon recht ordentliche Arbeit, mir die interessantesten Neuigkeiten aus dem Kreis meiner Kontakte zu liefern. Sicher haben die mit FriendFeed eingekauften Entwickler hier einiges an Knowhow beigetragen. Dennoch ist der Activity Stream in einem Facebook Account mit mehr als 100 Kontakten ein ziemliches Wirrwarr, und nicht jeder ist ein Robert Scoble, der in einer solchen Informationsflut gedeiht. Eine Plattform, die besser und passender filtert, könnte Facebook hier Punkte abjagen.
Derzeit wird diaspora, das kürzlich auch auf Netzwertig vorgestellt wurde, als potenzieller Facebook Nachfolger gehandelt. Man macht sich dort sehr viele Gedanken über eine verteilte, offene Architektur, aber insbesondere die Aspekte der Useability und des Informationsmanagements scheinen dort eher eine untergeordnete Rolle zu spielen. Ich bin gespannt, ob es den vier Machern gelingt, ihren komlizierten technischen Ansatz in eine für Normaluser verständliche Plattform zu verwandeln, oder ob eines Tages jemand anders mit dem nächsten Facebook durchstartet.





