Warum Google Buzz bleiben wird
Hype oder Next Big Thing? Diese Frage stellten sich wohl viele, als Google vor knapp zwei Wochen mit Buzz an die Öffentlichkeit ging. Es dauerte nicht lange, bis der obligatorische Titel Twitter-Killer verliehen wurde – obwohl ich Buzz, ähnlich wie FriendFeed, dem dieser Titel einst anhaftete, eher als Ergänzung zu Twitter verstehe. Der Beißreflex der Google-Hasser ließ ebenfalls nicht lange auf sich warten, und tatsächlich folgte der erste Datenschutz Skandal auf dem Fuß: Nicht alle Nutzer waren begeistert von dem Feature, das der ganzen Welt mitteilte, mit wem man regelmäßig E-Mails tauscht:
I use my private Gmail account to email my boyfriend and my mother. There’s a BIG drop-off between them and my other “most frequent” contacts. You know who my third most frequent contact is. My abusive ex-husband.
An dieser Stelle wurde eiligst nachgebessert: In den Profileinstellungen kann man das Anzeigen der Personen die einem auf Buzz folgen und bei denen man mitliest nun deaktivieren. Für neue Nutzer soll ferner das automatische Folgen anderer User deaktiviert worden sein. Diese Schwierigkeiten zeigen, wie schwierig es selbst für ein Unternehmen, das im Web zu Hause ist, sein kann, alle Implikationen eines Features vorherzusehen. In diesem Fall wurde allerdings schnell reagiert und ein größerer Imageschaden vermutlich erfolgreich abgewehrt.
Ein größeres Hindernis für die weitreichende Adaption von Buzz könnte die enorme Komplexität des Dienstes sein. Markus Breuer schreibt richtig:
Was meine leichte Skepsis gegenüber Buzz im Moment aber am stärksten befeuert, ist … das es so viel richtig macht und so viele Features beinhaltet. Die Google-Entwickler haben sich zwar offensichtlich sehr viel Mühe gegeben, das Alles möglichst elegant in GMail (und Google Profiles) zu integrieren. Aber in Summe hat das Teil doch eine – für manchen – bedrückende Komplexität.
Zumindest einer der Gründe für Twitters großen Erfolg ist seine extreme Simplizität. Twitter hat nicht viele Features – deshalb muss man nicht viel verstehen und kann nicht viel falsch machen.
Zwar ist Buzz meiner Meinung nach wesentlich einfacher zu verstehen und zu Nutzen als zum Beispiel Google Wave, dennoch hat Google mal wieder ein erklärungsbedürftiges Produkt ins Web gestellt, ohne den Nutzern die nötigen Informationen an die Hand zu geben, wie sie dieses Werkzeug sinnvoll einsetzen können. Selbst Web-Profis tun sich schwer damit, ihr Buzz Profil so zu konfigurieren, wie sie es gerne hätten. Google verlässt sich darauf, dass man genug Neugierde geweckt hat, dass die Nutzer selbst experimentieren und mit Lösungen um die Ecke kommen, die den Erfindern des Dienstes möglicherweise nicht mal in den Sinn gekommen sind. In einem gewissen Rahmen kann so etwas funktionieren: Auch Twitters Features, wie wir sie heute kennen, sind zu einem nicht unerheblichen Teil aus Ideen der Nutzer entstanden. Eine gute Anleitung für den Einstieg in Buzz hat übrigens Siegfried Hirsch auf RSS Blogger veröffentlicht.
Warum ich dennoch glaube, dass Buzz eine Zukunft jenseits des Hypes hat? Durch die Integration des Dienstes in GMail ist es Google gelungen, eine völlig neue Benutzerschicht anzusprechen, die bisher weder durch Facebook noch durch Twitter bedient wird. Markus Breuer merkt zwar richtig an, dass die Beschränkung des Dienstes auf GMail Nutzer den Kreis potenzieller Teilnehmer ihrerseits wieder verkleinert, aber wir reden hier von geschätzt 100 Millionen Usern, von denen viele zwar Webaffin, aber nicht zwangsläufig auf den typischen Web 2.0 Plattformen vertreten sind.
Buzz liefert ohne Beschränkungen von Nachrichtenlänge und Medientypen sowie mit Kommunikationsthreads Lösungen für Schwierigkeiten, die auf Twitter systemimmanent sind. Und, wie ich oben bereits schrieb: Buzz soll Twitter nicht verdrängen, sondern viel mehr ergänzen. Eine der größten Herausforderung für das Echtzeit Web ist noch immer das Filtern relevanter Informationen, so dass ich als Nutzer nicht in einem Meer aus weißem Datenrauschen ertrinke. Google hat die Infrastruktur und das Know-How, um diesem Problem zu begegnen. Gelingt dies, und das traue ich den Architekten von Buzz durchaus zu, so entsteht hier ein neuer Informationskanal, der die weltweite Kommunikation ein weiteres gutes Stück nach vorne bringen wird.
Wer mir auf Buzz folgen möchte, ist herzlich eingeladen, mein Profil zu besuchen.






Februar 24th, 2010 at 22:17
Also ich persönlich finde Buzz im Moment noch wenig hilfreich und bin nach wie vor von Twitter überzeugt.
Ich kann mir aber auch vorstellen, dass sich Buzz erst noch etablieren muss, bevor ein wirklicher Mehrwert für Nutzer entsteht und ein Gedanke der mir beim Lesen deines Artikels gekommen ist, ist dass Buzz eben nicht für die Web 2.0 affinen Menschen konstruiert ist sondern für ein breiteres Publikum und deshalb eine andere Herangehensweise nötig ist, als z.B. bei Twitter oder Facebook.
Denke das ist ein spannendes Thema bei dem man sicher auf dem laufenden bleiben sollte um nichts zu verpassen aber Buzz wird mit Sicherheit nicht der Twitter Killer, der er eventuell werden sollte.