Rottenneighbour: Freiwillige Selbstzensur deutscher Zugangsprovider?
Eins vorweg: Ich finde ein Denunziantenportal wie RottenNeighbour hochgradig asozial. Dass ich die Site, kurz nachdem staatliche Medienwächter darauf aufmerksam geworden sind, nicht mehr erreichen kann, erscheint mir jedoch bedenklich.
Derzeit ist scheinbar noch unklar, wieso viele deutsche Internetuser die Site derzeit nicht aufrufen können. Als 1&1 Nutzer kann ich den vergammelten Nachbarn derzeit jedenfalls nicht aufrufen, und laut Pottblog sind auch Kunden von Alice, Arcor, KabelDeutschland, O2 DSL, Strato/Freenet, UnityMedia und Versatel von dem Problem betroffen.
Die Frage ist nun, ob es sich um ein Problem des Betreibers handelt, oder ob tatsächlich eine grössere Anzahl deutscher Internet Provider beschlossen hat, ihren zahlenden Kunden vorzuschreiben, welche Websites sie im Internet besuchen. Bisher konnte ich kein offizielles Statement eines Providers finden. Da die Sache aber inzwischen Wellen schlägt fände ich es begrüssenswert, wenn die PR Abteilungen der betroffenen Unternehmen am Montag mal dazu Stellung nähmen. Hat es einen staatlich verordneten Zensurdämpfer gegeben? Falls ja, mit welcher Rechtsgrundlage? Handeln die Provider hier in vorauseilendem Gehorsam wider ihre Kunden? Im Fall Acor vs. YouPorn hat es sowas ja bereits gegeben. Oder liegen wirklich technische Probleme bei Rottenneighbour selbst vor?
Update: Bei Netzwertig gibt es doch schon eine Stellungnahme von 1&1 zu lesen: Der Pressesprecher äussert sich dort dahingehend, dass 1&1 als Reseller gar nicht in der Lage wäre, eine Sperrung durchzuführen. Er vermutet eine Routing Störung.




August 31st, 2008 at 12:25
Mit T-Online komme ich auch nicht drauf!
Ich tippe auch auf Routingproblem.
August 31st, 2008 at 18:24
Die Stellungnahme von 1und1 dürfte Makulatur sein. Jeder Provider betreibt zwangsläufig Router. Jeder, der einen Router betreibt, ist zumindest theoretisch in der Lage, die Funktionalität dieses Routers zu beeinflussen. 1und1 wäre also technisch durchaus in der Lage dazu. Dass hier das Gegenteil behauptet wird, zeugt entweder von mangelndem Fachwissen (dann war’s wohl die PR Abteilung, und man kann die Aussage getrost ignorieren), oder die Aussage ist so _entgegen_ vorhandenem Fachwissen gemacht worden. Dann ist es eine Schutzbehauptung, die darauf schließen lässt, dass das in der Tat genau so gemacht wird.
Ansonsten sehe ich das wie Du. Diese Site ist zum kotzen, aber Internetzensur, falls sie denn stattfindet, ist um Nichts besser.
Routingprobleme irgendwo in den USA sind natürlich durchaus auch möglich. Vielleicht hat Google ja reagiert, weil die Nutzung von GoogleMaps nicht den Nutzungsbedingungen entspricht.
August 31st, 2008 at 18:35
Ich hab mal eben selbst nachgeforscht: http://www.rorkvell.de/news/2008/ar0831T193338
Scheint zumindest von Europäischer Seite keine Zensur zu sein.
August 31st, 2008 at 19:00
[...] Rottenneighbour: Freiwillige Selbstzensur deutscher Zugangsprovider? (Webmaster Blog vom 31.8.2008) [...]
September 1st, 2008 at 10:23
[...] Problem verantwortlich ist, oder ob doch mehr dahinter steckt (Internetzensur?), darüber wird vielerorts noch gerätselt. Wirklich aufgeklärt werden konnte der Sachverhalt nach meinem [...]
September 3rd, 2008 at 8:28
Bin heute problemlos mit t-online auf die Site gekommen. Ich denke, durch die Medienpräsenz war die site überlastet.