Ist die deutsche Blogosphäre krank?
In den Kommentaren eines Artikels bei Netzwertig kam die Frage auf, wieso auf Rivva, das ja eigentlich die Diskussion in der deutschsprachigen Blogosphäre wiedergeben soll, immer mehr englische Blogs auftauchen. Frank Westphal, der Entwickler von Rivva meldet sich zu Wort:
Ich müsste tatsächlich mal ein statistisches Bild zeichnen, doch von dem, was ich hier sehe, haben die Vitalfunktionen und der Verlinkungsgrad dramatisch abgenommen. Selbst große Themen schwappen einfach nicht mehr hoch. Das liegt jedoch an vielen Faktoren, können Twitter nicht die gesamte Schuld dafür zuschieben.
Die englischsprachigen Blogs tauchen eigentlich erst auf, wenn die deutschsprachige Warteschlange völlig leergelaufen ist. Wie man leicht an der “Meist gelesen”-Box ablesen kann, interessiert das Zeug wirklich nicht viele Leute. Mein persönlicher Anspruch ist allerdings, dass die Seite irgendwo auch ein repräsentatives Bild abliefert. Bisher war das leider nicht möglich, ohne die englischen Feeds mit ins Raster zu nehmen.
Dramatisch abnehmende Vitalfunktionen, das klingt nicht gut. Woran liegt’s? Ich für meinen Teil versuche, wenn es eine adäquate deutschsprachige Quelle gibt, auch diese zu verlinken. Als deutscher Techblogger kommt man allerdings nicht umhin, auch regelmässig auf Quellen wie TechCrunch, ReadWriteWeb und ähnliche zurückzugreifen. Sind die Amis uns denn wirklich so weit vorraus, dass wir hier nur noch deren News recyclen können? Die Tatsache, dass Arrington und Co. als Berufsblogger sich in Vollzeit um die Nachrichtenbeschaffung kümmern können, gibt denen sicherlich einen Vorsprung gegenüber deutschen Hobbybloggern.
Ist die Professionalität der amerikanischen Blogs aber die einzige Ursache? Schaue ich mir die Top 20 der deutschen Blogcharts an, so sind gerade mal drei (Basic Thinking, GoogleWatchBlog und zweinull.cc) dabei, die regelmässig für mich verlinkenswertes Material liefern. Das ist natürlich aus meiner eigenen Perspektive eines Techbloggers gefärbt. Aber betrachtet man die Topthemen bei Rivva, so sind da sehr viele technische Threads dabei. Es scheint also durchaus auch hierzulande grosses Interesse an diesen Themen zu geben, aber zu wenig Hubs, zentrale Anlaufstellen, die dieses Interesse bündeln können. Viele kleine B-Blogger schreiben über die neuesten Trends im Web, aber alle verlinken sie auf TechCrunch, anstatt auch mal untereinander. Könnte das die Ursache sein?






Mai 20th, 2008 at 10:44
Imho werden zu wenig Links in .de vergeben, das scheint an der hiesigen Mentalität zu liegen.
Und wenn verlinkt wird, dann nur die üblichen Verdächtigen.
Mai 20th, 2008 at 11:14
[...] Frütel, langjähriger Blogger schreibt aus Sicht des Techbloggers: Es scheint also durchaus auch hierzulande grosses Interesse an diesen Themen [Technik] zu geben, [...]
Mai 20th, 2008 at 16:51
Ein Grund könnte auch die zunehmende Nachrichtendichte sein: Jeden Tag gibt es so viel Neues, so dass ein einzelnes Thema kaum über längere Zeit in mehreren Blogs diskutiert wird. Dadurch fehlt dann auch ein Stück weit die Möglichkeit zu verlinken, da zwar mehrere praktisch gleichzeitig ein neues Thema aufgreifen, in den Tagen und Wochen darauf dann aber nicht mehr weiter darauf eingehen. Dieser Trend würde auch zu dem von Dir hier beschriebenen Ansatz passen, wonach die professionellen amerikanischen Tech-Blogs das Gros der Links kassieren, weil sie eben immer sehr schnell an den neuen Themen dran sind.
Mai 23rd, 2008 at 17:11
wenn ich manchmal den “kindergarten-kram” in der blogosphäre lese frage ich mich ernsthaft ob die deutsche blogosphäre jemals gesund war