Kampf der Identitäten
In den letzten Tagen überbieten sich die Grossen des Web mit Ankündigungen, die zentrale Anlaufstelle für Benutzerauthentifikation werden zu wollen. Vorgelegt hat MySpace mit Data Availability, die direkt Yahoo, eBay, Photobucket und Twitter als Partner aufzählen können. Benutzerdaten sollen über MySpace zentral verwaltet werden können, um dann auch auf den Partnerseiten nutzbar zu sein. In dem Zusammenhang hat sich MySpace auch noch dem Data Portability Projekt angeschlossen und möchte Data Availability langfristig für alle Webplattformen verfügbar machen.
Nur einen Tag später betritt Facebook die Bildfläche und kündigt Facebook Connect an. Connect soll es Facebook Nutzern ermöglichen, ihre Facebook Identität auf beliebigen anderen Websites nutzen zu können. Laut TechCrunch soll unter anderem die populäre Newsplattform Digg unter den ersten Partnern des Facebook Systems sein.
Am Montag schliesslich will Google mit Friend Connect an den Start gehen, mit dem Teilnehmer aus Googles Open Social Initiative Profildaten aus Social Networking Sites in eigene Webapplikationen importieren können.
Was ist eigentlich mit Microsoft, mag man nun denken? Haben die wieder den Zug verpasst? Keineswegs. Mit dem 2001 angekündigten Hailstorm Projekt waren die Redmonder ihrer Zeit vorraus. Möglicherweise zu weit, denn damals war Microsoft noch klar in seiner Rolle als IT-Monopolist gefangen, dem keiner über den Weg traute. Schon gar nicht wollte man diesem Monarchen des Desktops auch noch die Alleinherrschaft über Benutzeridentitäten zugestehen. Und so wurde das Projekt 2002 zähneknirschend eingestampft. Endgültig verabschiedet hat sich Microsoft von diesem Schauplatz jedoch sicher nicht. Erst im März hat der Konzern Credentica aufgekauft, einen Spezialisten für Authentifizierung. Ich würde mich nicht wundern, wenn auch von dieser Seite im Laufe der nächsten Woche eine entsprechende Ankündigung kommt.
Der bisher gewohnte Prozess, für jede neue Webplattform einen neuen Account anzulegen, scheint zumindest seinem Ende entgegen zu gehen. Ob sich einer der grossen Player als zentraler Identitätsprovider etablieren kann, wird sich noch zeigen. Googles Open Social lief bisher eher schleppend an und MySpace hat sich bislang auch nicht gerade als offene Plattform hervorgetan. Vor diesem Hintergrund dürfte man Facebook hier vielleicht noch die grössten Chancen einräumen.






Mai 11th, 2008 at 12:04
Was ist mit OpenID?
http://de.wikipedia.org/wiki/OpenID
Mai 11th, 2008 at 13:04
Stimmt, OpenID hätte man in dem Zusammenhang erwähnen können. Wäre sicherlich nicht der schlechteste denkbare Ausgang, wenn es viele unabhängige Identitätsprovider geben wird. Da die Major Player aber so viel Marktmacht in die Waagschale werfen werden, bin ich mir nicht sicher, ob ein unabhängiges System eine Chance hat, sich langfristig durchzusetzen.
Mai 11th, 2008 at 21:37
Wenn ein Anbieter wie OpenID sich durchsetzen würde, wäre er früher oder später eh in den Händen der großen Player zwecks Aufkauf!
Mai 11th, 2008 at 21:49
OpenID ist eine Spezifikation, kein Anbieter. Aufkaufen kann man das genau so wenig wie zum Beispiel HTTP. Die Frage bleibt nur, ob es eine Chance hat, sich durchzusetzen, wenn die Grossen das boykottieren.
Mai 15th, 2008 at 6:39
[...] Timing ist perfekt: Wenige Tage nachdem MySpace und Facebook ankündigten, ihre Netzwerke auf externen Seiten nutzbar zu machen und Google sein Friend Connect bekannt [...]