Wikipedia Machtspiele 6


Die Wikipedia dürfte eine der Einflussreichsten Seiten im ganzen Internet sein. Die Tatsache, dass jeder an diesem Einfluss teilhaben kann, indem er Editor bei der Enzyklopädie wird, lässt es nur plausibel erscheinen, dass die Möglichkeiten die sich dadurch bieten, auch missbraucht werden. Nach Aussen stellt sich die Wikipedia, ähnlich wie Digg.com dabei gerne als basisdemokratische Plattform da, auf der solche Auswüchse keine grossen Überlebenschancen haben, da die Community die Dinge schnell richtig stellen wird.

Doch auch die Wikipedia hat Hierarchien. Neben den Editoren gibt es auch Administratoren, die über zusätzliche Privilegien verfügen. Unter anderem dürfen Administratoren auch Artikel löschen und Editoren blocken. Letzteres soll ein Werkzeug sein, um missbräuchliche Personen am vandalieren der Enzyklopädie hindern. Über den Administratoren steht noch ein Arbitration Commitee, das ist so etwas wie das Verfassungsgericht der Wikipedia.

In letzter Zeit kamen vermehrt Klagen auf, dass viele Administratoren ihre Privilegien leichtfertig nutzen, und Editoren schon bei dem geringsten Verdacht, sie könnten der Enzyklopädie schaden, gesperrt werden. TheRegister berichtet nun von dem Bekanntwerden einer Mailingliste, in der sich einige hochrangige Administratoren koordiniert haben, um gezielt gegen mutmassliche Wiki-Schädlinge vorzugehen. Das ist zwar ein aufrichtiges Ziel, die tatsache, dass diese Abstimmung quasi hinter verschlossenen Türen in einem kleinen Kreis von Eingeweihten stattfindet, scheint dem Prinzip des offenen Informationsaustausches entgegen zu stehen.

Auch ist in dem Artikel von einer geradezu paranoischen Einstellung einiger Admins zu lesen. Man fürchtet, dass Wikipedia-kritische Sites wie Wikipedia Review geziehlt Unruhestifter schicken, um der Enzyklopädie zu schaden. Nachdem die kürzliche Sperrung des Nutzers »!!« durch einen Admin namens Durova ziemliche Wellen in der Community geschlagen hat, ist nun die Existenz der geheimen Mailingliste bekannt geworden. Das Brandmarken von Sites als »BADSITES« , die in der Wikipedia nicht erwähnt werden dürfen, ist ebenfalls umstritten. Offensichtlich haben sich viele Befürworter dieser Bannpolitik ebenfalls über die geheime Adminliste abgestimmt. Der Editor »!!« wurde inzwischen als »False Positive« rehabilitiert, scheint aber nach diesem Vorfall nicht mehr motiviert zu sein, weiterhin aktiv an der Wikipedia mitarbeiten zu wollen.

Auch andere verdiente Nutzer zeigen sich verärgert. Wikipedia Gründer Jimbo Wales selbst ist laut Register der Meinung, das Problem würde künstlich hochgepusht. Tatsache aber ist, dass auch der Editor, der die Existenz der Mailingliste verraten hatte, vorrübergehend gesperrt wurde und die umstrittene E-Mail permanent gelöscht wurde. Für die Glaubwürdigkeit der Wikipedia scheinen mir derartige Machtspiele nicht gerade zuträglich zu sein.


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6 Gedanken zu “Wikipedia Machtspiele

  • Baynado

    Ich habe auch schon mehrfach versucht die Seite yigg.de dort einzutragen. Mitbewerber werden anstandslos geduldet. Nur Yigg Artikel werden in der Wikipedia regelmäßig gesperrt. Wahrscheinlich gehört yigg mit zu diesen Badsites, weil auch hier kritisch über dieses Zensur gebahren diskutiert wird.

  • Sven

    Finde, dass an sich nicht schlecht. Habe schon oft irgenwelche externe Links angeklickt, die meiner Meinung nach einfach nur Schrott waren und mehr zur eigen Werbung, als zum informieren geeignet war. Natürlich sollte man nicht grundsätzlich eine Art “schwarze” Liste haben. Doch es ist wichtig die Leute vor Mist zu bewahren.

  • Chris

    Stimme Sven da vollkommen zu.

    Habe selbst schon automatisierte Badlists für meine Kunden programmiert, die automatisch zwischen Werbung und nützlichem (soweit man das eben automatisieren kann) Content unterscheiden.

  • Andreas Herrmann

    Ja, dass ist sehr schwierig dort eine Veröffentlichung zu realisieren. Jedoch ist es mir einmal gelungen, es ging dabei um die Biografie eines Buchautoren.

    Anders bei DMOZ. Da bin ich bis heute nicht reingekommen. No Chance.