Blogging 2.0
Wie ich bereits in meinem letzten Post angedeutet hatte, bin ich der Ansicht, dass sich die Blogosphäre innerhalb des letzten Jahres gravierend verändert hat. Und damit meine ich nicht, dass Spreeblick jetzt Werbung schaltet oder das man heute ‘der Blog’ sagt und nicht ‘das Blog’.
Zum einen haben die Social News Sites in der letzten Zeit auch in Deutschland gewaltig zugelegt. Vor kurzem war es noch meine erste Tätigkeit des Tages, meine RSS-Feeds bei Bloglines durchzugehen. Mittlerweile schaue ich morgens erstmal bei Digg, Yigg und Webnews rein, der Feedreader kann oft bis Mittags warten. Eine Nachricht, die wirklich wichtig ist, steht mit Sicherheit auf der Startseite einer dieser Sites. Die meisten »News-Blogger« können mit dem Tempo, in dem Meldungen auf diesen Plattformen erscheinen, nicht mithalten. Doch dadurch werden 90 Prozent der Newsblogs überflüssig, denn wozu soll man sich durch dutzende von Feeds quälen, wenn man dort ohnehin nur die Nachrichten vorfindet, die man auf Yigg bereits gelesen hat? Auch ist die Kommunikation in den Kommentaren auf diesen Plattformen oft interessanter, weil sich dort einfach eine grössere Masse an Nutzern zusammenfindet, als in einem einzelnen Blog. Blogs haben für mich die Mainstream-Medien als Nachrichtenquelle quasi überflüssig gemacht, nun kommen die Social News Sites und überrollen die Nachrichtenblogs.
Weiterhin gibt es da noch die relativ neuen Microblogging Sites, allen voran Twitter. Ich muss zugeben, dass ich deren Potenzial völlig unterschätzt hatte, als zum Beispiel Robert Basic im März anfing, wie ein Wilder über Twitter zu schreiben. Tatsächlich war es auch bei mir oft so, dass ich den Lesern oft nur einen kurzen, interessanten Link mitteilen wollte, ich aber dann mehr oder weniger sinnvollen oder unterhaltsamen Text darumgedichtet habe, damit der Blogpost nicht so inhaltsleer aussieht. Bei Twitter ist die Kürze Programm, und niemand scheut sich, einen einzelnen Link mit lediglich einem kurzen Hinweis zu posten. Joi Ito, Robert Scoble, Loic Le Meur oder Steve Rubel – allesamt Vordenker der Blogosphäre – geben ihre Geistesblitze zunehmend über Twitter bekannt. Scoble hat gestern sogar beschrieben, dass er eine öffentliche Kommunikation auf Twitter bis auf wenige Ausnahmen, wo Diskretion erforderlich ist, gegenüber E-Mails bevorzugt.
Ist das also das Ende des klassischen Blogs? Keineswegs, nur werden die meisten Blogger umdenken müssen. Das Rad dreht sich schneller und schneller. Wer meint, noch immer Nachrichten posten zu müssen, die ohnehin schon jeder halbwegs informierte Leser kennt, wird bald höchstens noch Suchmaschinenfutter produzieren. Und da kaum noch jemand auf die ollen Kamellen linken wird, erledigt sich das mit den Suchmaschinen auch bald.
Wie sich das langfristig auf die Bloglandschaft auswirken wird, ist sicher interessant. Die meisten der Heavy-Twitterer haben bestätigt, dass sie ihre Blogs seltener aktualisieren werden, da sie kurze Informationshappen lieber über Tweets verbreiten. Steve Rubel zum Beispiel erklärt, dass er in Zukunft seltener, aber substanzreicher Bloggen will – ähnlich wie ich es am Sonntag angekündigt habe. Blogging ist nicht tot, aber es wandelt sich. Willkommen, Blog 2.0!






August 8th, 2007 at 13:10
schöner artikel, hast du sehr gut getroffen. denke ganz ähnlich. auch dein artikel vorher. und dank twitter habe ich erst entdeckt, dass bei dir auch probleme mit dem server aufgetreten sind. wie bei mir, sos ist platt zur zeit. ansonsten würde ich gerne deine beiden posts dort aufgreifen.
August 8th, 2007 at 14:22
Ich persönlich halte nicht viel von diesen kurzen Informationsfetzen. Stattdessen bevorzuge ich einen längeren Artikel, bei der ich durch eine etwas ausführlichere Beschreibung (wie hier) die Gedanken des Bloggers nachvollziehen kann. Die Qualität des Blog leidet ansonsten darunter. Genau wie beim Fastfood wird man zwar kurzfristig satt, der “Fastblog” befriedigt jedoch auf Dauer nicht den Wissensdurst der Blogosphäre.
- Meine Meinung -
August 8th, 2007 at 14:58
Mir aht auch Dein Artikel seh rgut gefallen. Er drückt aus, was mir schon seit geraumer Zeit durch den Kopf geht.
August 8th, 2007 at 20:39
Meiner Meinung nach dreht sich das Rad nicht schneller als früher, nur können sich heute viele andere auch schnelle Räder leisten.
August 9th, 2007 at 8:50
s4d: Interessante Sichtweise, ich würde es aber mehr als ein grosses Rad sehen, an dem mehr und mehr Leute drehen, und dadurch wird es schneller, wenngleich sich das nicht bis ins Unendliche steigern lässt.
August 9th, 2007 at 14:38
tatsache … da sage ich jahrelang DER blog und immer hieß es DAS. und jetzt stehts sogar im dugen mit beiden *kopfschüttel*
August 10th, 2007 at 12:32
ach was, es sagt doch keiner ‘der Blog’ man sagt ja auch nicht die Fernsehen oder das Zeitung
scnr
IMO sind überigens schon noch die Blogs die ‘Drehscheibe’d es web 2.0. ich bereite da grad was vor…
August 12th, 2007 at 15:35
Die vielen BloggerInnen, die für ihren Freundeskreis, für ein paar wenige oder gar niemanden bloggen (außer für sich selbst) wird diese Umstellung nicht treffen. Nischenblogs würden umso mehr aktiv sein (können), da sie in Yigg und Co. keine Relevanz – aber doch ihre LeserInnenschaft haben.
Trotz allem frage ich mich, wie groß ist die Gruppe derer, die Feedreader benutzen oder Tools wie Yigg, Digg,…? Erst wenn sich dies breit durchsetzt wird die Mehrheit der “mitlaufenden” Newsblogs irrelevant.
Die Frage bleibt – egal ob heute oder morgen: Was macht die “Einzigartigkeit” meines Blogs aus, dass es in der großen Wüste des Webs und dem großen Meer der Blogs überhaupt gefunden und dann auch noch gerne gelesen wird…
Dezember 20th, 2007 at 11:21
Interessanter Artikel. Demnach bin ich der geborene Twitter. Ich poste auch gerne mal kommentarlos einennützlichen Link und werde dafür von einigen gerügt. Dabei bin ich meiner Zeit nur weit voraus gewesen
Gruss
Klaus