Web 3.0: Second Life, Croquet 4


Webbrowser, wie wir sie heute benutzen, könnten schon bald so veraltet anmuten, wie heutzutage die Navigation durch den Gopherspace. Die Zukunft des Internet scheint mir eher wie ein Onlinegame auszusehen, denn derzeit gibt es einige interessante Entwicklungen in diese Richtung.
Da ist zunächst einmal Second Life. Auf den ersten Blick wirkt es wie ein Onlinegame mit relativ einfacher Grafik, aber wer sich ein wenig in der Welt umsieht, merkt schnell, dass hier mehr hinter steckt. Die komplette Welt ist von den Nutzern erstellt, und jeder Second Life Bewohner kann die Form seines Avatars quasi beliebig verändern, Objekte erschaffen und verkaufen. Begabte Anwender können komplizierte technische Dinge wie Fahrzeuge oder auch Schusswaffen erstellen, und es gibt einen florierenden Handel mit Gegenständen, Avataren, Kleidung, oder Animationen. Die grundlegende Nutzung der Welt ist kostenlos, für knapp 10 Dollar monatlich gibt es Premium Accounts, mit denen man virtuelles Land besitzen kann. Viele nutzen dieses um sich ein virtuelles Eigenheim zu bauen, oder aber um Shops, Discos und Bars darauf zu eröffnen, und damit sogenannte Linden Dollar zu verdienen, die sich in bares Geld versilbern lassen. Visionäre wie Joi Ito und Robert Scoble sind begeistert von der Welt, und auch die Business Presse nimmt diese spannende Entwicklung wahr. Mein Name in Second Life ist übrigens Tom Coalcliff, hier mal ein Schnappschuss vor meinem virtuellen Zuhause:
'Second Life' von Fruetel
Ähnlich interessant wie Second Life ist Croquet, das noch mehr als Plattform denn als Videospiel daherkommt. Auch hier äussert sich Scoble begeistert. Croquet basiert auf einer P2P Architektur, und 3D Hyperlinks erlauben es, von Welt zu Welt zu gehen. Für Entwickler gibt es bereits ein SDK zum Download, eine für Endanwender nutzbare Plattform scheint es noch nicht zu geben.
Interessant sind vor diesem Hintergrund auch Googles Veröffentlichung des kostenlosen SketchUp, um Google Earth mit dreidimensionalen Objekten anzureichern. Zielt diese Entwicklung auch in die Richtung, eine virtuelle Welt zur Verfügung zu stellen? Noch gibt es in Google Earth keine Avatare und Interaktionsmöglichkeiten, aber bei CNN Money spekuliert man bereits darauf, dass dies bald folgen wird.


Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

4 Gedanken zu “Web 3.0: Second Life, Croquet

  • mnt

    das irgendwann alles mal 3D wird wurde in dem letzten Jahrzehnt schon oft prophezeit.

    Navigation per 3D-Grafik ist einfach unpraktisch und unübersichtlich, find ich.

  • Dirk Ploss

    Ich frage mich, ob für solche Anwendungen der Begriff “Web 3.0” nicht deutlich zu hoch gegriffen ist. Joachim Graf vom Hightext Verlag hat auf dem vergangenen OnlineMarketingForum interessante Aussagen zu Web 3.0 getroffen – und dabei ging es eben nicht nur um die 3D-Aufbereitung von Web 2.0-Anwendungen.

    Insofern: Web 2.1?

  • Webmaster Beitragsautor

    Was genau unter Web 3.0 zu verstehen ist, mag sicher diskussionswürdig sein. Angesichts der Tatsache, dass es selbst für Web 2.0 keine offizielle, einheitliche Definition gibt, wird es da sicher verschiedene Ansichten geben. Ich finde einen Sprung in eine virtuelle Welt signifikant genug, um ein Inkrement der Vorkommastelle zu rechtfertigen. Möglicherweise bewegt man sich aber auch hier auf einem völlig anderen Branch.

  • David Eicher

    Hallo zusammen. Was nun genau unter web 3.0 zu verstehen ist und was nicht, darüber schlagen sich in den USA gerade die Wikipedia-Nutzer die Köpfe ein. Ganz nette Anekdote, nachzulesen in unserem Blog: http://brainwash.robertundh